Kurz nachdem wir die schwedische Grenze passiert hatten, mussten wir schon scharf bremsen, denn das erste Rentier trottete gemütlich auf der Straße. Ich war natürlich ganz aus dem Häuschen und netter Weise blieb das Tier dann noch kurz auf einem Nebenweg stehen um sich von mir ablichten zu lassen.
Auf unserer weiteren Fahrt wurde es dann fast schon zur Gewohnheit das regelmäßig Rentiere die Straße kreuzten - wir waren nun in Lappland.
Die typischen roten Schwedenhäuschen aus Holz waren nun allgegenwärtig (wie zuvor schon in Finnland, dort allerdings in verschiedenen Farben).
Wir fuhren weiter auf der einzigen Straße, die von Ost nach West führte und machten hin und wieder einen kurzen Abstecher, immer den Wegweisern für besondere Orte folgend. So führte uns einer in ein Tal, das verborgen neben der Route lag.
Eine steile Treppe führte hinab zu einem Bach, indem wir uns erfrischen konnten. Allerdings war das Wasser so kalt, dass unsere Füße innerhalb kürzester Zeit taub wurden. Das mit dem Baden ließen wir dann lieber bleiben.
Der nächste Abstecher führte uns zu einem Naturreservat, das eine besondere Kulturlandschaft schützt. Die historische Bewirtschaftungsform der großen Feuchtwiese wird heute von Ortsansässigen in mühevoller Handarbeit aufrecht erhalten. Mit der Sense werden die Seggen gemäht, das gesammelte Heu wird auf Stellagen getrocknet und in den Holzschobern gelagert.
Am Abend sahen wir in der Ferne die Schemen eines weißen Tieres. Ich schimpfte schon, dass wir keine Kamera dabei hatten, aber am nächsten Tag kam es zum Glück wieder. Ein Schwede vor Ort erklärte uns dann, dass neulich ein Film gedreht wurde und dass das Hausrentier (es läuft dort immer rum) gerne den Filmleuten hinter her rannte.
Auf den Holzdecks in Mitten der Feuchtwiese konnten wir die Sonne in vollen Zügen genießen.
Mittlerweile stand auch Mittsommer vor der Tür. Spontan entschieden wir uns die Feierlichkeiten in dem kleinen Dorf Jukkasjärvi bei Kiruna mitzuerleben. Die Zeremonie begann mit dem traditionellen Aufstellen des geschmückten Maibaumes. Dieser ist nicht wie bei uns weiß-blau, sondern besteht aus einem Kreuz mit zwei Kränzen.
Im Anschluss wurde gesungen und alle tanzten um den zentralen Baum.
Kurz nach dem Spektakel gehen die meisten wieder nach Hause und feiern dort im engsten Familienkreise weiter. Daher zogen auch wir weiter und wollten uns das Städtchen Kiruna anschauen, das jedoch komplett ausgestorben war. Alle waren sie in ihre Ferienhäuschen auf dem Land gefahren.
Die Straße führte nun stetig weiter nach Nordwesten und schon bei Kiruna fing es an mit den ersten Bergen. So weit im Norden ist die Landschaft sehr karg, aber trotzdem oder gerade deswegen sehr beeindruckend. Vom Campingplatz im Abisko Nationalpark machten wir uns zum Wandern auf.
Nach fast 800 Höhenmetern vorbei an wilden Bachläufen und Wasserfällen, erreichten wir dann ziemlich außer Atem den Gipfel und wurden mit einem atemberaubenden Weitblick und einem Sommersby belohnt.
Unterm Strich haben uns die wenigen Tage in Nordschweden auf jeden Fall sehr viele schöne Eindrücke und Erlebnisse bescheert.
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